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Eine Roadtrip mit der Harley durch Nord- und Mittelamerika



Ach echt, "Pura Vida" in Costa Rica? Na dann los!

1. Januar 2014 - Beitrag 1 von 3


Mein letzter Stopp in Nicaragua war die Kleinstadt San Juan del Sur, direkt am Pazifik. Da mich gerade mal 100 Km erwarteten, ging ich es am 25.12. ruhig an und verabschiedete die Apoyo Lagune erst gegen 11 Uhr. Nicht dass ich ausgeschlafen hätte, aber ich habe den Ort, meine Hütte und neuerdings die Gesellschaft von einem der Haushunde genossen. Dieser fühlte sich am Abend zuvor wohl (auch) einsam, nachdem Herrchen sich aus dem Staub gemacht hatte, und war am frühen Abend plötzlich vor meiner Hütte gestanden. Ich hatte keine Einwände und teilte meine Terrasse mit ihm.


Ob ich mental schon in Costa Rica war und mir unbewusst Gedanken über Neujahr machte? Ich weiß es nicht, aber San Juan del Sur riss mich nicht vom Hocker. Ich war etwas überrascht, überwiegend Absteigen der billigeren Art vorzufinden. Ist normalerweise andersrum: man tut sich schwer, eine finanziell tragbare Übernachtungsmöglichkeit zu finden. Eine richtige Strandpromenade gab es auch nicht wirklich. Und Strand? Naja, wenn die Hälfte der Bucht als Ablegestelle für Fischerboote genutzt wird, dann ist es nicht wirklich ein Strand. Gewollt und nicht gekonnt, genau das dachte ich von San Juan. Nicht zu knapp kam wiederum das Angebot an Speis und Trank. Da wieder in Meeresnähe gönnte ich mir Fisch am Nachmittag. Und dieser frittierte Schnapper war mit Abstand das leckerste Fischgericht, was ich in den letzten Monaten hatte! Ich hätte noch stundenlang da sitzen und weiter essen können!









Am späten Vormittag vom Donnerstag 26.12. ging es weiter nach Costa Rica. Es blieben mir ab San Juan nur 44 Km. Endlich! Ich war gespannt, da wirklich viele Reisende nur so vom Land schwärmten. Es blieb aber auch deswegen spannend, weil die beiden nächsten Wochen wohl etwas teurer werden könnten. Es hat schon seine Gründe warum Costa Rica ebenfalls als die Schweiz Mittelamerikas bezeichnet wird: stabile wirtschaftliche und demokratische Verhältnisse, florierender Tourismus, viele Einwanderer aus Nordamerika und zum Teil Europa. Alles in allem eines der Länder Lateinamerikas mit dem höchsten Lebensstandard. Budgettechnisch gesehen passt noch alles, aber es sparte sich so schön in den letzten Wochen seit Belize, zum Teil auch schon in Mexiko.


Als ich kurz vor Mittag an der Grenze ankam, traf mich der Schlag! Nein, erst trafen mich Horden an Grenzhelfer. Sprangen mir förmlich vor's Bike. Mit etwas Mühe wurde man die aber los. Und mit noch mehr Mühe konnte ich die richtigen Schalter ausmachen. Ob Helfer dann doch die bessere Wahl gewesen wären? Nein! Selbst ist der Mann! Überall Unmengen an Menschen. Wie schon so oft, ging es darum, mich und mein Bike aus Nicaragua abzumelden, also zwei unterschiedliche Anlaufstellen. Zum Glück ging es auf der Seite von Costa Rica etwas gediegener zu, aber alles in allem verbrachte ich geschlagene 4 Stunden an diesem Grenzübergang. Bisher ging das alles innerhalb einer guten Stunde, im Schnitt. Egal, gehört dazu. Hauptsache ist, man kommt in seinem Vorhaben weiter. Durch das dann doch etwas spätere Verlassen der Grenze war klar, dass ich an dem Tag nur bis in die Stadt Liberia kommen wollte.


Nach dem Abendessen schmiedete ich erste Pläne, was Costa Rica anging. Erste Anlaufstellen wurden klar, sowie mögliche Unternehmungen. Denn die Vielfalt an Aktivitäten nimmt in Costa Rica kein Ende (Canopy, hängende Brücken, Rafting, Vogelbeobachtung, Reittouren, Surf- und Tanzkurse). Und ich muss etwas unternehmen! In den letzten Wochen bin ich eher durchgereist, habe kaum Leute getroffen. Ein Roadtrip eben. Aber ich brauche jetzt wieder etwas Pepp!


Wer eher auf Flora und Fauna und entsprechende Wanderungen steht, kommt in Costa Rica auch nicht zu kurz. Unzählige Naturschutzgebiete - etwas über 25% der Fläche des Landes steht unter Naturschutz - die man alle mit geführten Touren besichtigen kann. Eins davon das biologische Reservat Monteverde. Ob es mich im neuen Jahr in den sehr beliebten Nebelwald verschlägt, weiß ich jetzt noch nicht. Es steht aber fest, dass der letzte Streckenabschnitt nicht befestigt ist. Also eigentlich das KO-Kriterium! :-( Ein weiterer Park gibt es dann noch im Südwesten, kurz vor der Grenze zu Panama. Und zwar den Corcovado Nationalpark. Liegt auf der Strecke; wird also in Erwägung gezogen.


Gut gelaunt und voller Zuversicht, da nicht mehr ganz so planlos, machte ich mich am Freitag (27.12.) auf. Richtung Puntarenas. Sah auf der Landkarte vielversprechend aus. Eine kleine Landzunge, die sich in den golfo de Nicoya erstreckt. Fast wie die Keys in Florida, bloß in klein.


Und tatsächlich ließ es sich hier ganze 2 Nächte aushalten. Erst übernachtete ich in der City, was nicht unbedingt ratsam ist. Oder besser gesagt: hat Null Reiz, bis auf die Tatsache, dass es etwas kostengünstiger ist. Netter war definitiv die Bleibe an der Strandpromenade am zweiten Tag. Und die 56 USD waren auch noch ok. Zwar kamen am Abend meine Ohrstöpsel zum Einsatz, aber man war mittendrin im Geschehen! Puntarenas hat, ganz entfernt, schon was von Daytona oder Venice Beach. Überall trieben Menschen Sport, für südamerikanische Verhältnisse gepimpte Pkws fuhren gegen Abend den paseo de los turistas (Promenade der Touristen) auf und ab. Auf einem der Strandvorplätze wurden Leute zum Zumbatanzen animiert. Sah schon verdammt gut aus. Auch die eine oder andere Teilnehmerin! :-) An jeder Ecke wurde gekocht und gebrutzelt. Das war auch gut so, denn mit der Zeit gewöhnt man sich an die batidos de banano y cocoa (Schoko-Bananen Shake). Solch einen Tick hatte ich schon immer; in Südostasien musste ich Nachts nochmals auf die Straße, weil mich der Heißhunger nach banana pancakes plagte. Der Mensch ist so schwach!


Da ich, nach Puntarenas, weiter westlich an den Pazifik und den Golf nicht umfahren wollte, steuerte ich gleich nach Ankunft im Ort die Docks an, um mich über die Fähre zu erkundigen. Um es in die Worte eine guten Freundin zu fassen: die Welt ist ein Kuhdorf. Hier traf ich nämlich auf einen guten Freund aus Deutschland. Oder besser gesagt, er auf mich, da ich mich gerade im Gespräch befand. Mich tippte plötzlich Dennis von hinten an! Das kann nicht sein, wie unglaublich ist das denn?! Da er auf seine Fähre wartete, hatten wir Zeit für ein Bierchen, welches gerade richtig kam, da ich Dank meiner Lederjacke am Zerfließen war. Wir tauschten Pläne und Meinungen aus, und hielten völlig unverbindlich fest, dass man sich vielleicht im Ort La Fortuna direkt am Vulkan Arenal treffen könnte. Darauf freue ich mich ganz besonders: La Fortuna könnte aufregend werden! Mehr verrate ich jetzt nicht.


Mein zweiter Tag in Puntarenas war der Knaller. Erst noch mit der Spiegelreflex unterwegs, beispielsweise festhalten wie, entgegen der Richtlinien, Pizza Hut und Burger King hier vertreten sind. Später dann mal an den Strand. Ab ins kühle Nass. Stand nicht wirklich im Vordergrund, das Baden. Schließlich sind wir hier ja nicht ganz am Pazifik, auch wenn es dasselbe Wasser ist. Oh, wäre das ein Fehler gewesen! Mit Abstand das angenehmste Wasser, was ich bisher erlebt habe. Molligwarm ist der richtige Begriff. Und ein ganz entspannender Wellengang; ich wollte gar nicht mehr raus. Wieder ein Tag, der nicht enden durfte!






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