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Eine Roadtrip mit der Harley durch Nord- und Mittelamerika



Durch dick und dünn - Mexiko bleibt in Erinnerung!

19. November 2013 - Beitrag 1 von 1


Abgesehen von der Sorge, dass ich für den Freitag 1.11. weder ein neues Ziel noch ein Hotel hatte, war mein Donnerstag überragend! Andererseits wird sich in diesem Beitrag gleich zeigen, dass die Planlosigkeit genau richtig war. Denn nur so kann man flexibel reagieren!


Zufällig wurde ich während meiner Tagesplanung einige Tage zuvor, als ich noch in Chihuahua war, auf das Hotel Mansion Tarahumara aufmerksam. Es wurde für gut befunden und schon hatte ich eine Nacht gebucht. Die Sierra Madre muss ja positiv in Erinnerung bleiben! Da spielt die Unterkunft mit eine Rolle. Und das Hotel ist auch wirklich toll. Nicht unweit vom Copper Canyon - der Mexikaner sagt Barranca del Colpe - besteht das Hotelareal aus mehreren kleineren Steinhäuschen. Meine 114 ist recht rustikal eingerichtet. Spitze! Diese Zeilen schrieb ich offline. Denn Internet gibt es nur in der Lobby. Und mit ödem TV-Programm vergeudete ich den Abend von Halloween auch nicht, denn ein Fernsehgerät war nicht vorhanden. Geheizt wird mit einer Mini-Gasheizung, die an der Wand hängt. Draußen war der Himmel sternenklar und sah fantastisch aus. Es wird wohl bitterkalt - die Heizung ließ ich lieber mal laufen. Hier könnte ich es mehrere Tage aushalten!







Mit leichtem Schädeldröhnen bin ich die circa 300 km ab Chihuahua gefahren. Ob es daran lag, dass ich nicht gefrühstückt hatte? Oder war der Fahrtwind heute stärker? Laut war es allemal. Sollte es etwa an der dünnen Luft liegen?? Schließlich bin ich in der Anhöhe unterwegs: es ging ja schon mit 1.400m ab Chihuahua los und kurz vor dem Ziel erreichte ich auch die Tagesspitze von knapp unter 2.500m.


Nichtsdestotrotz wieder Genuss pur! Eine Straßenführung fast wie eine Achterbahn. Zu schade, dass man (eigentlich) ständig auf den Straßenzustand achten muss und weniger von der Landschaft hat. Tja, einfach das Beste daraus machen. Ist ja nichts Neues. Und besser wird es in den nächsten 3 Monaten auch nicht werden, denke ich. Ich sollte mich also damit abfinden und hoffen, dass meine Stoßdämpfer es überstehen.


Recht schnell hatte ich also Chihuahua hinter mir gelassen. Über die kulissenreiche Mex-16 ging es nach Cuauhmetoc. Ab hier wurde es immer beschaulicher: San Juanito, mitten im Nirgendwo. Später dann Creel, offensichtlich aufgrund von Tourismus, etwas weniger authentisch. Aber immer noch schön! Creel ist nämlich ein beliebter Ausgangspunkt für Touren zum Canyon.


Obschon der Mexikaner gerne über den Grand Canyon in den USA witzelt - man erzählt, dass der Grand Canyon, wenn er mal groß ist, so sein möchte wie der Copper Canyon (hahaha) - fand ich den Ausflug jetzt nicht überragend toll. War nett. Mit der Sesselbahn ging es zum Aussichtspunkt. Pflicht-Schnappschüsse, klarer Fall. Und noch immer wusste ich nicht, was ich mit dem Rest des Tages anfangen sollte. Das gefiel mir gar nicht.


Und dann kam eins zum anderen. Als ich im Begriff war, das Gelände zu verlassen, traf ich auf 3 Biker, die vor kurzem angekommen waren und ganz aufgeregt meine Harley begutachteten. Prompt machte ich die Bekanntschaft von Charly, Leo und Rodrigo. Wir verstanden uns auf Anhieb und es lag nahe, dass wir eine Weile gemeinsam fahren würden. Zumal die Drei als nächstes zu den Wasserfällen von Basaseachic fahren wollten, die ich tatsächlich in Erwägung gezogen hatte.


Die Streckenführung wurde noch unglaublicher! Ich muss jetzt schon feststellen, dass Mexiko mehr Spaß macht als die USA. Ein Hoch auf die Sierra Madre! Der Dragon's Tail in North Carolina kann sich eine Scheibe von abschneiden. Gesteigert wurde die Freude durch die Gesellschaft von 3 weiteren Bikern. Endlich nicht mehr alleine fahren. Zum Ausklang des Tages organisierten wir ein Barbecue und verbrachten die Nacht direkt im Ort Basaseachic.


















Den nächsten Tag verbrachten wir ebenfalls gemeinsam bis kurz vor Chihuahua. Leo und Charly kehrten Heim und übrig blieben Rodrigo und meine Wenigkeit. Und da Rodrigo, der übrigens selber auf einer Art Roadtrip durch Mexiko mit seiner 1500er Intruder ist, Richtung Süden fuhr, einigten wir uns auf gemeinsames Fahren. Es ging über Parral, wo wir auf lokale Biker und Clubs trafen. Man stellte uns Gästebette zur Verfügung, Speis und Trank kamen auch nicht zu knapp.


Am Montag, den 4.11. setzten wir unsere Fahrt fort. Lange hatte ich mich auf diesen Tag gefreut, denn es stand mir eine berüchtigte Strecke Mexikos bevor. Die nicht kostenpflichtige Mex-40 wird von den Mexikanern auch "espinazo del diablo" genannt (Rückgrat des Teufels). Fürs Verständnis: in Mexiko gibt es fast immer neben einer weniger gepflegten und somit gleich gefährlicheren Route eine kostenpflichtige Ausführung, die zwar nicht zwingend neuer ist, aber auf jeden Fall straßenführungstechnisch gesehen sicherer. Berüchtigt ist die freie Mex-40 weil sie, wie denn auch sonst, unglaublich kurvenreich und nicht so entspannt zu fahren ist. Hier ein kleiner Ausschnitt - da wird einem vom bloßen Hinschauen schon schwindlig.


Ab Parral und über Durango erreichten wir "das Rückgrat" gegen 14 Uhr. Wird ein langer Spaziergang, aber wir waren guter Dinge, die Stadt Mazatlán noch am selben Tag zu erreichen. Hurra, endlich mal wieder Pazifik! Sonne, Strand, Meer.


Aus dem Vorhaben, die Mex-40 zu bezwingen, wurde leider nichts. Wir hatten nicht mitbekommen, dass in der Nacht zuvor heftige Stürme über die Küste hinwegzogen. Die Sierra Madre fängt diese immer auf. Die Folgen waren mehr als ersichtlich: bereits 150km vor dem Ziel machten uns dichter Nebel, Regenfall mit damit verbundenem strömenden Wasserflächen über der Straße, Rollsplitt, Hangrutschungen und Vegetationstrümmer das Leben schwer. Mit höchster Vorsicht tasteten wir uns die Sierra Richtung Küste runter. Doch es sollte nicht sein. Auf einem mit Schlamm bedeckten Straßenabschnitt gerieten wir ins Schleudern und gingen von der Vertikalen in die Horizontale über! Rodrigos Maschine landete im Graben und mein Bock blieb zwar auf der Straße aber war nicht mehr einsatzfähig. Mit Hilfe von hilfsbereiten Mexikanern konnte die Intruder aus dem Graben gezogen werden. Rodrigo konnte weiterfahren; für meine Harley musste der Abschleppdienst genutzt werden. Der auch zufälligerweise 5 Minuten später an Ort und Stelle war, denn circa 3 Stunden zuvor hatte ein Streifenwagen der örtlichen Polizei ein Ölleck aufgrund herumliegendem Geröll erlitten (Ölwanne gerissen) und den Abschlepper gerufen. Das nennt man, glaube ich, Glück im Unglück.









Bis auf eine kleine Schürfwunde am rechten Unterarm und einen 3-tägigen Muskelkater in beiden Beinen blieb mir wohl Schlimmes erspart. Die Schäden an beiden Bikes ließen sich auch beheben und wir konnten uns wieder unserem Vorhaben - dem Roadtrip - widmen. Und dann doch die Sonne und Küste Mazatláns etwas genießen...


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